Datumsworte

Wort-Vierer

Die Wortreformer

Die Worttreter

Die Wortdehner

Die Wortnehmer

Wortgeber

Wie Steine...

Original und Fälschung

 

 

Datumsworte


Deutsch ist eine sehr präzise Sprache
Das Wort sei präzise - und die Sprache diene der Verständigung, sich nach diesem Grundsatz zu artikulieren, fällt Deutschen gemeinhin nicht schwer.
Nun aber, so ist in der heutigen Tageszeitung zu lesen, müssen Wohngeld-Empfänger auf ihr Geld warten. Und warum? Weil sie korrekterweise ihr Geburtsdatum wie seit eh und je mit Tag, Monat, Jahr angegeben haben - und das ist jetzt falsch! Wenn einer, sagen wir, am 9. Februar im Jahre 1975 geboren wurde, so darf das nach DIN und "Meeting-Kreisen" nicht mehr 9. 2. 1975 heißen, sondern muß lauten: 02/09/1975 03:00 PM. Man reibt sich die Augen und fragt sich entgeistert: Und woran erkenne ich, ob er nun am 9. 2. oder am 2. 9. geboren ist?
Tag, Monat, Jahr - vom Kleinen zum Großen ansteigend. So logisch, so präzise ist Deutsch.
Im deutschsprachigen Raum war man den Engländern und Amerikanern auch insofern voraus, als man bis 24 und nicht nur bis 12 zählen konnte. 03.00 PM - so ein Quatsch! Ei-Äm und Pie-Äm wurden da, wo es um äußerst präzise und unmißverständliche Zeitangaben ging, zum Beispiel in der internationalen Fliegerei, im Funksprechverkehr zwischen ziviler oder militärischer Flugsicherheit und Piloten, schon immer negiert. Man zählte - wie anderswo auch - die Uhrzeit nach vollen Stunden bis 24 Uhr und betonte im Fliegerenglisch, um beispielsweise 14 Uhr anzugeben: Fourteen-Hundred, also 14.00, mit der akzentuierten Betonung auf teen, um ja keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen.
Jeden deutschsprachigen Autofahrer, Handy-Nutzer, Digital-Fotografen und Gebrauchsanleitungleser muß nerven, wenn er mit Uhrzeiten wie 12 PM oder 08 AM konfrontiert wird. Wir alle sollten zum aktiven und passiven Ungehorsam aufrufen und alle Produkte und Artikel ignorieren, die mit falschen Zeitangaben daherkommen. Wir sollten alle Einladungen ablehnen, die mit mißverständlichen Datumsangaben versehen sind.
Wolfram Martin, 2006  

 

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Wort-Vierer


Die Vier ( 4) ist eigentlich eine äußerst sympathische Ziffer. Es ist die erste Quadratzahl. Im Gegensatz zur Drei, die der göttlichen Sphäre zugeordnet wird, gilt die Vier als Zahl des irdischen Universums: vier Elemente, vier Jahreszeiten, vier Temperamente des Menschen und so weiter. Im kirchlichen Bereich ist die Vier u. a. die Zahl der Evangelisten, der Kardinaltugenden und der Kirchenväter. Der Buddhismus kennt die "Vier edlen Wahrheiten". Präsident Roosevelt nannte am 6.1.1941 in seiner Jahresbotschaft die "wesentlichen menschlichen Freiheiten" (The Four Freedoms), die vier Freiheiten. Ein Viergespann ist eine Quadriga; wir kennen weiterhin den Vierviertel- und den Dreivierteltakt; den Vierkampf; das Viertel als Flächen- und Hohlmaß; die Vierte Welt; die vierte Republik; die Vierteltonmusik und das sympathische Viertele beim Wein.
Dann kamen die Amerikaner - nicht DIE, sondern einige wenige sprachliche Kulturbanausen - und brachten uns den XMastree (oder: X-Mas-Tree), was der Christmastree oder Weihnachtsbaum sein soll. Und weil dies ja gar so witzig ist, entdeckten weitere Sprachbanausen die amerikanische Vier, also die Four und verballhornten, nein missbrauchten und vergewaltigten diese sympathische Ziffer, indem sie Wort und Zahl miteinander paarten. Heraus kamen Wortungeheuer wie Dive4Fun, siwi4you, Pray4us, Jesus4You, Black4est (Schwarzwald) oder Just4You und munter so ungeheuerlich weiter. Hat so eine Wortvergewaltigungsorgie erst einmal die Schickeria erreicht, fallen alle Hüllen und brechen alle Dämme.
Der (nicht nur weibliche) Verein Weiberrevier kommt als Kürzel so daher: WR4. Was zunächst wie ein Radiosender oder ein Furunkelpräparat anmutet, soll heißen: WeiberReVier. Nachdem man sich ohnehin schon die Zunge beim DeifForFann (dtsch. Tauche zum oder aus Spaß) oder SiWiVierDich (soll heißen: Siegen Wittgenstein für Dich) verknotet und die sprachlichen Gehirnwindungen unter Strom gesetzt hat, probiert man WR4 erst einmal auf Englisch aus: DabbelJuh-ARR-Four. Dann auf Deutsch: Weeh-Err-Vier. Hm? Doch WeiberReVier ist ja auch nicht schlecht. Und darauf muss man erst einmal kommen. Alle Achtung!
Da man als guter (oder schlechter?) Deutscher immer wenn man Sprachsalat entdeckt, zunächst Denglisch oder Anglizismus vermutet, es also auf Englisch probiert, stößt man bei folgender Firmenneugründung im Raum Siegen an die Grenzen: sHs com tk und it. Mag Schickeria-Sprachmischmasch und Werbefuzzi-Kauderwelsch manchmal noch einen nur schwer verständlichen Sinn ergeben, so verbietet sich mit unserem angeborenen Taktgefühl eine Wertung hinsichtlich der Tatsache, dass eine Firma mittels Kürzeln und Sprachsalat meint, sich tarnen zu müssen. Oder haben Sie eine Ahnung, was sich dahinter verbergen könnte? Jetzt schlägt's aber vierzehn (oder dreizehn?).
P.S.: Der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, hat im Vorfeld der SILA 2004 dem WortReich57 versichert, sich für die Erhaltung der deutschen Sprache einzusetzen. Obwohl die CDU im Landtagswahlkampf NRW auf unsere Wahlprüfsteine NICHT reagiert hat sind wir davon ausgegangen, daß - siehe Landrat - die CDU für ein klares und verständliches Deutsch zu haben ist. Wie nun sollen wir das verstehen, daß das Siegener Jugendamt siwi4you auf unsere Jugend losgeht?
Wolfram Martin, 2005  

 

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Die Wortreformer
 

Bis 1998 haben wir von einer Kultusministerkonferenz (KMK) noch nie etwas gehört. Wir wußten nicht einmal, daß es so etwas gibt. KMK klingt nach k.u.k. (kaiserlich und königlich im ehem. Österreich-Ungarn) und wir kommen ins Grübeln...
Dann - 1998 - hatte die KMK ihren großen Auftritt, indem sie DIE Rechtschreibreform mit einer Übergangsfrist bis 2005 verkündete. Während dieser Übergangsfrist konnten und sollten alle Bürger und Institutionen dieses Landes Vorschläge machen und Falschreibungen in der Schule durften nicht als Fehler gewertet werden. Plötzlich sehnten wir uns in die Schule zurück.
Vereine, Akademien, Hochschulen, Verlage und wissenschaftliche Räte gaben - wie der Name schon sagt - Ratschläge, forderten die Rücknahme der Reform, zogen vor das Verfassungsgericht. Genutzt hat das alles nichts, jetzt hat die KMK wieder getagt, alle Ratschläge - wie der Name schon andeutet - in den Wind geschlagen und verkündet, daß die Reform mit kleinen Änderungen hinsichtlich "Sowohl-als-auch-Schreibweisen" im Jahre 2005 verbindlich eingeführt wird. Peng!
Ein "Rat für deutsche Rechtschreibung" soll eingerichtet werden (noch einer!), der künftig die Sprachentwicklung beobachten (wir fühlen uns also ständig beobachtet) und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Reform machen soll. Peng-Peng! "...Weiterentwicklung der Reform..." Wir fragen uns: Wie lange man eigentlich eine Reform weiterentwickeln kann? Hundert Jahre? Tausend Jahre? Also doch k.u.k.?
Wer in Zukunft so wie wir "daß" statt "dass" und "kraß" statt "krass" schreibt, macht einen Fehler. Wir werden viele Fehler machen. Was aber nicht weiter schlimm ist. Viel schlimmer scheint, so ist in seriösen Zeitungen zu lesen, daß "die deutsche Rechtschreibung zu Tode reformiert wurde..." "Die Reform war ein Desaster!" "Die KMK macht vor wie's geht: Überregulierung bis zur Bedeutungslosigkeit."
Wir stellen die großartige Leistung der Kultusministerkonferenz (bei wichtigen Aussagen empfiehlt es sich, diese immer ausgeschrieben und nicht in Kurzform anzukündigen) anhand (oder an Hand?) von einigen wenigen Beispielen vor:
Bis 1998 durften wir "leid tun" schreiben, dann nur "Leid tun", und jetzt ist beides richtig. Ach, das tut uns aber Leid. Ja, wo ist denn das Leid?
Früher schrieben wir, daß wir uns außerstande sahen, einer Reform zuzustimmen. Heute schreiben wir, daß wir uns weiterhin außer Stande sehen, einer Reform unseren Segen zu geben. Wo ist nun unser Stand?
Der Bayer sagte Gams, wenn er Gemsen meinte. Der Bayer und Österreicher (Stichwort: k.u.k.) sagt immer noch Gams, doch meint die KMK, daß es nun Gämsen zu sein hätten, ohne daß diese genmanipuliert worden wären.
Hierzulande fanden wir als ein schönes Wort und würdig, dem deutschen Sprachrat als "schönstes deutsches Wort" zu schicken. Dann sollten wir nur noch "hier zu Lande" schreiben dürfen, weil unser Land so groß geworden ist. Doch nun, da alles wieder den Bach runter geht, ist auch wieder hierzulande und hierzu Lande erlaubt. Ist ja auch egal, beim Sprechen merkt es ja eh keiner. Was soll der ganze Aufwand (früher aufwendig, heute aufwändig, weil die Computer so einen Spaß am "ä" haben).
Alle folgenden Englisch- oder Denglischwörter wurden kostensparend, nein Kosten sparend (neu) verlängert: aus Flop wird Flopp, aus Stop Stopp, aus Hit ein Hitt (Begründung: ein Hit, zwei Hitte), aus Set der Sett (wobei wir gar nicht wissen, was ein Sett oder mehrere Sette sind). Ja, wer soll sich denn da noch auskennen (oder aus kennen?) und zu Recht finden? Nein, wir müssen uns selbst korrigieren und bitten die KMK um Entschuldigung: Zurechtfinden!
So kann es gehen, wenn man viel sagend (früher vielsagend) viel Versprechendes (früher Vielversprechendes) ankündigt und unter gleich Gesinnten (früher Gleichgesinnten) etwas erreichen will.
So bitten wir alle gleich, später und sonstige Gesinnte, sich dem Diktat der KMK-Rechtschreibreform nicht zu beugen und standhaft (oder Stand haft, oder stand Haft?) weiter für die Schönheit unserer Sprache einzutreten und zu werben.
 

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Die Worttreter


Der große, alte Mann des bundesdeutschen Fußballs, Sepp Herberger, war ein gewaltiger Wortgeber. Er gab uns Worte, die heute noch gültig sind, die heute noch geradezu wollüstig hervorgeklaubt und immer wieder zitiert werden: Der Ball ist rund, ist so ein geflügeltes, zeitloses Wort. Jedes Spiel hat 90 Minuten - ist ebenfalls von ihm, wird immer wieder benutzt, obwohl schon lange kein Fußballspiel mehr nur 90 Minuten dauert, sondern immer länger, 91, 92, manchmal gar 95 Minuten, ohne Verlängerung und Elfmeterschießen versteht sich. Aber wer will bei so einem gewichtigen Wort denn schon Minuten zählen? Das Spiel wird auf dem Platz entschieden - hat Herberger gesagt, obwohl dies schon lange nicht mehr stimmt, doch das Wort blieb erhalten.


Sepp Herberger war ein so gewaltiger Wortgeber, daß viele seiner fußballtretenden und flachpaßspielenden Nachfolger sich auch in der großen Kunst des Wortgebens versuchten, ohne jedoch wahre Größe zu erreichen. Ganze Bände könnte man mit "großen Worten" kleiner Balltreter füllen. So wird ein gewisser "Andy", eine etwas selbstsüchtige, alternde Fußballdiva mit ewiger Leidensmiene zitiert, "...daß alles eine große Deprimierung" sei. Kein Wunder, daß das Fußballvolk die Stadien in Scharen verläßt. Und "Andy" weiter: "Wir sind an ein Limit gekommen, wo es im Moment nicht drüber geht." Fußballspieler, glaubt man den Aussagen ihrer hochbezahlten Trainer, spielen ständig am Limit. Ja, haben sie denn sonst kein Spielzeug?
Doch, sie spielen entweder "am Limit" oder "am Level". Wir wissen nicht, wo der oder das Limit oder Level hängt, steht, liegt oder kullert, wir wissen nur, daß die Worte eines Sepp Herbergers verständlicher waren. Am Limit oder am Level klingt so nichtssagend, so hohl, so nach Luftnummer und Worthülse, so, als ob die Fußballtreter immer Löcher in die Luft hauen. Das sagt man ja so, wenn ein Fußballtreter den Ball nicht trifft, daß er "in die Luft gehauen hat." Bei Torleuten - männlichen und weiblichen Geschlechts -, die ja die Hände während des Fußballspiels zu Hilfe nehmen dürfen, wenn sie daneben greifen, also den Ball nicht erreichen, da spricht man nicht von "in die Luft hauen" oder "in die Luft greifen", sondern von "Fliegenfängern". Als ob ausgerechnet da, wo der Ball vorbeisaust, gerade eine Fliege, Biene oder Hummel des Weges fliegt und ausgerechnet in der Hand des Tormannes oder der Torfrau landet. Naja, das ist wohl nur bildlich, also metaphorisch gemeint, weil es so laienhaft fliegenfängerisch aussieht. Ist ja auch peinlich, wenn so ein hochbezahlter Fußballprofi, sagen wir mit einer Million Jahresgehalt, nur Löcher in die Luft tritt oder nur Fliegen anstatt Bälle fängt.


Fußballspieler, Fußballtrainer, Manager, Technische Direktoren, Vereinspräsidenten sowie Kommentatoren reden ja sowieso so, als ob sie ständig Worte nur mit Füßen treten könnten: Notbremse (jemanden umhauen); Schwalbe (ohne Einwirkung mit guten Haltungsnoten hinfallen); im zentralen Mittelfeld kurz hinter der Abwehr mit Hang nach vorne und Orientierung nach hinten (versteht außer dem Reporter eh niemand); hinten mauern und vorne kontern; tunneln (ohne daß dieser im Tunnel oder im Dunklen steht); Einbahnstraßen-Fußball (obwohl sie ganz eindeutig auf dem Platz spielen); Blutgrätsche (jemanden mit den Füßen krankenhausreif kloppen); Rudelbildung (für interaktive Kommunikation auf dem Spielfeld); ein hängender Rechtsaußen (ja, wo baumelt er denn?); gelbe Karte, rote Karte, gelb-rote Karte (ja, was denn nun?); Nullnummer (wenn auf beiden Seiten kein Tor gefallen ist); Schiedsrichter-Assistenten (laufen hektisch die Seitenlinie auf und ab und schwingen lustig ihre Fähnchen, ohne zur Cheer-Leader-Truppe ((das sind Einpeitscher)) zu gehören); "...wir hätten drei Punkte holen können, haben aber nur einen mitgenommen, fühlen uns aber trotzdem als Gewinner..." (so einfach ist es heute, zu gewinnen).
Ein riesiges Wort-und-Ball-Treter-Festival bot die Europameisterschaft in Portugal. Der Spieler... schlug eine getimte Flanke. Eine Flanke ist ein lang geschlagener Ball (oder so ähnlich, denn eine exakte Definition haben wir nicht gefunden). Ein zu kurz geschlagener Ball könnte ein Flankerl sein. Doch stimmt dies nicht, denn ein Flankerl ist österreichisch und bedeutet Fussel. Was natürlich schon wieder höchst witzige Assoziationen zulassen würde.


Also: Was ist eine getimte (sprich: geteimte) Flanke? Eine Flanke, die noch in der regulären Spielzeit geschlagen wurde? Eine Flanke, die gerade mal nicht in der Werbezeit getreten wurde? Eine Flanke, die punkt- und zeitgenau auf Zuruf des Trainers erfolgte? Eine zeitlos schöne Flanke? Wir wissen es nicht und nähern uns von der Gegenseite: Was könnte eine un-getimte Flanke sein? Eine Flanke, die außerhalb der regulären Spielzeit oder bei Spielunterbrechung erfolgte? Nein, so wird das nichts. Eine Flanke ist also ein lang, diagonal oder "über Kreuz" geschlagener Ball, deren Erfolg von mindestens zwei Variablen bestimmt wird. Vom Treter als Sender und vom Mitspieler als Empfänger. Ist die dem Ball durch einen Tritt mitgegebene An- und Auftriebsenergie so stark, daß dieser möglichst lang und hoch und so zielgenau fliegt, daß dieser unter Berücksichtigung sowohl des Schuß- und Standbeines als auch der Windstärke und -richtung exakt in den Lauf eines Mitspielers zu landen kommt, sprechen wir von einer "gut abgestimmten Flanke". Dies könnte mit einer getimten Flanke gemeint sein.


Doch da wir getimt weder in einem englischen noch in einem französischen und schon gar nicht in einem portugiesischem, finnischen oder ungarischen Wörterbuch gefunden haben, nehmen wir an, daß es sich bei diesem Wort um ein Fachsprachenverb in Eurodenglisch handelt - und behandeln es als Sprach-Flankerl...
 

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Die Wortdehner

 

Während meiner Kindheit war ich überrascht, als ich den Ort Itzehoe zum erstenmal hörte, daß man ihn wie Itze-Hoh (mit gedehntem, nordischen o, also wie im engl. "home") aussprach. Mit nordischem Dehnungs-E, so wurde ich belehrt. Doch warum hat mir dies niemand in der Schule beigebracht?
Jahre später kam ich durch die Bundeswehr nach Bayern und lernte den Ort Buchloe kennen. Diesen Ortsnamen als Buchloh ausgesprochen, erntet man bei seinem Gegenüber nur Kopfschütteln über die blöden Preißn, denn der Bayer kennt das Dehnungs-E anscheinend nicht und spricht diesen Ort wie Buch-lo-e aus. Genau wie er stur (und fälschlicherweise) immer von Itze-ho-e spricht, wenn er an die Ostsee fahren will.
In der Jägerausbildung lernte ich Ferdinand von Raesfeld kennen, einen Klassiker unter den Jagdautoren. Und da ich meine Jägerausbildung in Bayern absolvierte, wurde immer nur von "Rähsfeld" gesprochen. Jahre später in Nordrhein-Westfalen wurde ich korrigiert, daß es Rahsfeld und nicht Rähsfeld heißt, wenn man Raesfeld meint. Westfälisches Dehnungs-E - Sie wissen schon...
Allerdings suche ich dieses "Westfälische Dehnungs-E" im Brockhaus vergebens, denn da gibt es (in der Sprachwissenschaft) nur die "Dehnung eines Phonems". Und dies scheint gleichermaßen schlüssig und unzulänglich, denn neben dem Dehnungs-E gibt es auch noch das Dehnungs-I. Die Stadt Troisdorf heißt nicht Treus- sondern Trohsdorf, genau wie Gelsenkirchen-Buer nicht Gelsenkirchen-Bühr, sondern Gelsenkirchen-Buhr heißt. Das westfälische Voigt spricht man ja auch nicht wie Veugt sondern wie Vohgt aus.
So schön sich diese Dehnungslaute auch ausnehmen, so unbefriedigend ist ihr Erkennen und somit ihre Anwendung. Wie soll denn ein Deutscher als Fremder oder ein Ausländer als Deutscher erkennen, ob es nun Buchloh oder Buch-loh-e heißen muß? Daß es bei Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Epos Die Schlacht im Loener Bruch um das "Lohner" und nicht um das "Löhner" Bruch geht, ahnt man. Apropos Bruch: Immer "das" nie "der" Bruch, und immer mit langem "uh" zu sprechen und um die Verwirrung und Vielfalt zu vertiefen, heißt die Mehrzahl von das Bruch (nämlich Feuchtgebiet) die Brücher. In einigen Lexika und Duden allerdings ist sowohl das als auch der Bruch vorgesehen und erlaubt. Ob sich da schon einige PISAner unter die Wörterbuch-Lektoren gemischt haben?
So schwierig sie sich auch ausnimmt, die Sache mit der Dehnung eines Phonems, eines ist klar, wer sie richtig anwendet macht deutlich, daß er die deutsche Sprache beherrscht - und liebt.
 

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Die Wortnehmer

 

Genau wie es Wortgeber (siehe letztes Thema) gibt, gibt es Wortnehmer. Sie nehmen uns einfach ein Wort weg. Sie klauen und stehlen uns die Wörter. Mehr noch, sie klauen sie nicht einfach, nein, sie nehmen sie, funktionieren sie um und streuen sie wieder unters Volk. Sozusagen Gehirnwäsche des Wortes. Es ist in etwa so, als wenn ein Gemüsegroßhändler auf dem Markt alle italienischen Tomaten aufkauft, sie grün anstreicht, um sie dann als neu gezüchtete Amoten wieder anzubieten. Na, da hätte unsere liebe grüne, kühne Verbraucherschutzministerin was zu tun.
Nehmen wir zum Beispiel das schöne deutsche Wort Kind, oder Kinder, oder Kinderlein (Ihr Kinderlein kommet, ach kommet doch all...). Man hat es uns geklaut (oder gar verboten?). Es gibt keine Kinder mehr. Nur noch Kids. Kids sind aber keine Kinder, sondern (verwahrloste) Straßenkinder. Und weil es keine Kinder mehr gibt, gibt es auch keinen Kindergarten mehr, ein so schönes Wort übrigens, daß es ins Englische oder Amerikanische unübersetzbar war und somit deutsch übernommen wurde. Kindergarten... Schön. Auch diese Wort wurde uns geklaut und durch "Kita" ersetzt, das klingt nach Hunde- oder Katzenfutter.
Fräulein ist ein Beispiel dafür, daß auch der hunderprozentige Wortklau funktioniert, will heißen, dieses schöne deutsche Wort - denken wir nur an das deutsche Fräulein-Wunder, um das uns ganz Amerika beneidete - existiert heute nicht mehr. Es ist weg. Ausgestorben, da geklaut und nicht wiedergeboren. Kein Mensch versteht heute mehr, wenn die Amis heute noch von Fräulein-Wunder sprechen oder Chris Howland (ein Engländer!) immer noch von Frau-Lein, Frau-Lein singt. Warum mußte das Fräulein sterben? Ich weiß es nicht, doch ihr Tod bedrückt mich.
Geburtstag ist ein Beispiel dafür, daß wir gerade den Klau dieses Wortes erleben - und tatenlos zusehen. Damit werden wir zu Mittätern. Mitnehmern. Mitklauern. Wo und wann immer jemandem in Deutschland zum Geburtstag gratuliert werden soll, egal ob Groß oder Klein, Alt oder Jung, berühmt oder unbekannt, es wird "Happy Birthday" geträllert, gejodelt, gebrummelt und gepfiffen. Ich will aber keinen häppie börthdai feiern, sondern meinen Geburtstag! Den Tag meiner Geburt und nicht den dai of mai börth.
Entschuldigung. Diese Wort ist uns schon lange genommen und durch Urlaute, denen der Schimpansen nicht unähnlich, ersetzt: Ups, Och, Ach, Hups.
Volkswagen, genau wie Autobahn und Kindergarten, galten unseren englischen und amerikanischen Freunden als feine, elegante, derart typische deutsche Wortschöpfungen, daß sie sich aus Takt und Respekt nicht trauten, sie ins Englische zu übersetzen. So blieb also weltweit der Kindergarten, der Volkswagen und die Autobahn erhalten. Weltweit ja, doch in Deutschland nicht, denn da geht der Wortklau und die Wortnehmerei um. Kindergarten, wie gesagt, ist uns bereits genommen; den Volkswagen gibt es insofern nicht mehr, als er in Brasilien gebaut und von dort als "Beetle" wieder zurückgekäfert kommt; der Klau der Autobahn wird gerade vom toll-einsammelnden Mautminister vorbereitet, um sie uns als Mautobahn zurückzugeben. Toll!
Auch der Bürgersteig steht schon auf der Roten Liste der gefährdeten Worte, weil den 68er Turnschuh-Revoluzzern - heute an der Macht und Regierung - der Bürger, das Bürgertum zutiefst suspekt und einfach ekelig erscheint. Es - das Bürgertum - und mit ihm der Steig des Bürgers gehört ausgerottet. Für immer! Gehsteig und Fußgängerzone müssen vorübergehend als Ersatz herhalten, bis sich auch hier der sidewalk eingedenglischt hat.
Für jeden und alles gibt es Schutzheilige: Jäger, Falkner, Schäfer, Bauern, Winzer, Soldaten, Liebende, Huren, Saufköppe, Feuersbrünste... Warum gibt es nicht eine oder einen Schutzheilige(n) für die Sprache, das Wort? Warum schützt uns niemand vor Wortdieben und Wortklauern? Ich hätte gerne eine Schutzheilige des Wortes...
 

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Wortgeber


Wie entstehen Worte?
Worte, so meint man, werden geboren. Sie werden geboren, dann leben sie eine Zeit lang, um schließlich zu sterben. Manche Worte sterben aber nicht, sie sind zeitlos. Wenn etwas zeitlos ist, kann es nicht geboren sein - meint man.
Und in der Tat ist es so, daß manche Worte geboren, andere wiederum uns gegeben werden. Dieses Übergeben geschieht manchmal freundlich, nett und anständig, ein anderes Mal aufdringlich, aggressiv und höchst unanständig und obszön.


Moderne Wortgeber sind heutigentags größtenteils in der Werbung, Politik oder im Fernsehen tätig. Sie geben uns ein Wort - Tätervolk zum Beispiel -, wir greifen es auf - und werden es nicht mehr los. Live ist auch so ein Wort, das sich wie ein Krebsgeschwür in unsere Sprache gefressen hat. "Ich melde mich live aus dem Müngersdorfer Stadion..." Ja, wie soll er sich denn sonst melden? Live, live, live, alles ist live, ohne es zu sein. Wir denken schon gar nicht mehr darüber nach, was live eigentlich bedeutet. Heißt es direkt, richtig oder lebendig, oder unmittelbar, oder zeitgleich, oder zeitversetzt, oder zeitgleich mittelbar, oder zeitgleich unmittelbar oder was?


Das Wörtchen weil avanciert zum Doppelpunktersatz und verunstaltet unsere Sprache geradezu in unerträglicher Weise. "Ich nehme den Schirm, weil es ist ja am Regnen" (Weil es regnet, nehme ich den Schirm). Oder: "Der Dollar fällt weil der Euro ist so stark..." (Weil der Dollar fällt, ist der Euro so stark) und so weiter. Überhaupt üben sich sowohl unsere altergrauten männlichen Fernsehmoderatoren als auch deren nette, weibliche Nachfolger gerne in der Doppelpunktsprache. "Der Bundeskanzler (:) gestern kam er aus Afrika zurück..." "Angela Merkel (:) wird sie sich als Kandidatin durchsetzen?" Doppelpunktsprache ist eine Form der Abstraktion und Stilisierung. Was in der bildenden Kunst erlaubt ist, führt sprachlich zurück zu den Urlauten der einfachen Primaten: "Bo ei kuck ma echt geil wa".
Und alle Prominenten - oder jene, die sich dafür halten - befleißigen sich, möglichst viele Anglizismen und Amerikanismen in unsere Sprache einfließen zu lassen. Ein Herr Meiser, der Großvater aller seichten Talkshows zum Beispiel, spricht ständig von "einem Event" (also der Event, den er organisieren will). Meines Wissens heißt "event" Ereignis oder Vorhaben also "das Event". Wie überhaupt es mit dem Wörtchen "dem" und "der" ständig bergauf zu gehen scheint: Der level (Ebene, Niveau), der teamwork (das team, die Arbeit, also doch die Team-Arbeit), der zoom (das Steigen, das Ziehen) und - siehe oben - der event. Vielleicht hat Herr Meiser, der Großvater aller seichten Talkshows, bei "seinem" zu organisierenden event aber auch schon unterschwellig an den "Größten Anzunehmenden Unfall" - GAU - gedacht und deshalb immer von "der event" gesprochen...


Flächendeckend - dieses Wort gaben uns die Grünen, wobei sie, gerade sie (!), es vom Militär geklaut haben (flächendeckender Beschuß). Geklaute Sachen verschenkt man nicht, und schon gar keine unanständigen.
Verona Feldbusch - Medienikone und Deutsch-Brasilianerin (oder Argentinierin?) - kokettiert gerne mit ihren mangelnden deutschen Sprachkenntnissen, was man noch irgendwie witzig und charmant finden könnte. In einer dieser Talkshows fiel der Satz: "Da wird Sie geholfen..." PISAlistische (oder PISAnesische) Journalisten fühlten sich beschenkt und nutzen diese grammatikalische Grausamkeit seither in ihren Beiträgen, ohne sie als Glosse oder Persiflage zu kennzeichnen - und unsere "liebe Post" wirbt um ihre "Gelben Seiten" mit eben dieser Grausamkeit: Gelbe Seiten - da wird sie geholfen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Satz - genau wie das Doppelpunktwort weil - als "umgangssprachlich eingeführt" gilt. Unsere Kultusministerkonferenz wartet geradezu auf solche Geschenke und Wortgeber, wo es doch ohnehin sprachlich schon rasant bergab geht: ab-tanzen, ab-hängen, ab-gewinnen. Ich bitte Sie, woab soll das denn noch gehen?
 

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Wie Steine...


Worte sind wie Steine. Einige von ihnen liegen wie schwere, wuchtige Felsen oder Findlinge in der Landschaft. So groß, mächtig und schwer, daß sich niemand an ihnen versucht. Sie erwecken den Eindruck, als habe sich die Landschaft nach ihnen ausgerichtet, als wären sie schon immer da - zeitlos...
Manchmal reibt sich ein Tier oder Mensch an so einem Findling, versucht, ihn zu bewegen, oder zu bearbeiten. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Die Zeiten und Gezeiten, Wind und Witterung haben an ihnen gearbeitet, haben sie geformt, haben ihnen Furchen und Falten gegeben, haben ihr Gesicht gestaltet und ihnen damit inneres Gewicht gegeben. Worte mit Gewicht sind immer schwer, doch schwere Worte haben nicht immer Gewicht.
Gelegentlich versucht sich der Mensch, zumal der künstlerische, an diesen Steinen. Sie werden behauen, gemeißelt, geformt, geschliffen, poliert, geglättet in dem Wunsch, sie zu veredeln. Nicht selten gelingt genau das Gegenteil. Niemand mehr erkennt in so einem Un-Kunstwerk noch den Ur-Stein, geschweige denn den Sinn der Bearbeitung - genau wie beim Wort. Doch umgekehrt geschieht es auch, daß aus einem unscheinbaren oder häßlichen Stein durch Künstlerhand ein Kunstwerk entsteht, wie auch dasselbe Wort mal schön, mal häßlich, mal edel oder anständig, dann wieder anrüchig oder unanständig daherkommen kann.


Es gibt auch Worte, die ähneln kleineren Steinen, Flußkieseln. Zumeist sind sie glatt, weil die Bewegung sie poliert und geglättet hat. Immer waren sie in Bewegung - meistens flußabwärts. Sie kullern, poltern, klunckern und rollern durchs Leben. Doch wenn wir uns ihnen nähern, liegen sie still, ganz wie die Großen. Man kann sie aufnehmen und forttragen, einzeln, säckeweise, schubkarren- und lastwagenvoll irgendwohin transportieren und dort wieder abladen; einzeln, auf einen Haufen schütten, stilvoll stapeln, Mauern bauen. Man kann sie werfen und wieder auffangen, man kann sie übers Wasser gleiten lassen, man kann sie als Waffe einsetzen. Manchmal wirken Worte wie Geschosse, genau wie Steine, die, Kanonenkugeln gleich, zu Tale schießen.
Mit kleinen Kieseln kann man eine ganze Hand füllen. Man kann mit ihnen spielen und mit ihrer sinnlichen Sanftheit massieren sie die Haut. Sie tun gut. Zur Not lassen sie sich lutschen wie Bonbons. Manche Steine haben einem Verdurstenden schon das Leben gerettet. Auch Worte können retten, oder verletzen, oder - töten...
Kleine, ganz kleine Steine klickern wie Perlen. Sie sind so klein, daß sie immer einer Gesellschaft bedürfen. Allein wären sie nichts. Doch in Gesellschaft blühen sie auf, da erzählen sie in ihrer glucksend-klickernden Sprache von großen und kleinen Steinen, es ist, als ob sie ständig laut von großen Steinen träumen. Dabei ist das die Tragik ihres langen Lebens, daß sie immer kleiner werden, nie größer, wie die Worte.
Ganz kleine, unscheinbar kleine Steine sind wie Sand. Sie werden vom Wind vertrieben und verweht. Sie haben kein Zuhause. Der feinste Hauch nimmt sie mit. Ein Sturm gar treibt sie bis in unmenschliche Höhen und unendliche Weiten, dort fallen sie als Staub herab und niemand nimmt sie mehr als kleine Steine wahr. Und wenn sie noch so klein sind, so sind es dennoch Steine, und haben ein Sinn. Ohne die Kleinen, die ganz Kleinen, hätten die Großen keinen Halt - genau wie die Worte. Denn auch sie, die kleinen Worte sind den Steinen immer noch ähnlich, denn auch die zerfallen manchmal zu Staub, so daß sie niemand mehr als Wort wahrnimmt, niemand sie versteht, sie werden weggewischt und fortgespült wie Staub. Wortstaub.


Große und kleine Steine lassen sich zertrümmern und zusammenfügen. Mehrere kleine Steine bilden ein großes Haus, ein großer Stein nicht selten eine kleine Höhle.
Es gibt Menschen, die lassen sich von Steinen wärmen und beseelen; sie nehmen sie mit ins Bett und ins Büro; sie schlafen mit Steinen ein und wachen mit ihnen auf - genau wie mit Worten. Worte und Steine spenden Trost. Tröstlich zu wissen, daß auf dem letzten Stein die Worte den Lebenden, der Stein jedoch den Toten, und beide, Wort und Stein, den Überlebenden etwas zu sagen haben.
 

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Original und Fälschung

 

Da gibt es ein altindisches (Sprich-)Wort, einen Vers, eine Weisheit. Sie (er oder es) ist so alt, so einfach, so schlicht, daß sie in ihrem unerschütterlichen Wahrheitsgehalt wie ein Fels wirkt. Schwer, ruhig, in sich gefestigt und unverrückbar hat sie mehrere tausend Jahre überdauert. Es hat allen Strömungen getrotzt, allen Anfeindungen standgehalten, sich allen Unbillen mit Schwere, Wucht und Wahrhaftigkeit widersetzt. So wurde dieses felsschwere Wort alt, sehr alt, so alt, das es als zeitlos gilt. Dieses felsschwere, zeitlose Wort gelangte ohne größere Schrammen, Risse und Schrunden bis in unsere Zeit.
 

Gott schläft im Stein
atmet in der Pflanze
träumt im Tier
und erwacht im Menschen
 

Und dieses Wort hätte noch mehrere tausend Jahre vor sich haben können, wenn da nicht eine Pferdenärrin des Weges gekommen wäre und sich an diesem Wortfels versucht hätte. Ohne sich - kurz nur - an diesen Fels zu lehnen und inne zu halten, um etwas zu spüren von der Energie und Kraft dieses Wortes, legte sie Sprengstoff und eine Schnur und zündelte an diesem Wort, diesen Fels herum. Die Sprengung hat nicht alles zerstört, doch vieles vernichtet. Der Fels ist nicht mehr der, der er einmal war. Seine Seele ist verwundet, seine Energie nicht mehr spürbar. Andere werden kommen und sich weiter an ihm versuchen. Sie werden ihn bearbeiten, bis er nicht mehr als Fels, als Wort erkennbar ist. Bis er tot ist. Es wird niemanden geben, der ihn getötet hat, doch es gibt jemanden, der seinen Tod begonnen hat. Dieser Jemand konnte den Tod des Wortfelsens beginnen, weil er weder Achtung vor dem Alter, noch Respekt vor Würde und Wahrheit und keinen Sinn für die Seele eines Wortes empfand. So gebar er -
die Fälschung:
 

Gott ruht
im Herzen der Steine
atmet mit den Bäumen
träumt mit den Pferden
und erwacht mit den Menschen

 

 

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© 2006 - Wolfram Martin

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